Pferdepsychologie Linda Schüller

Pferde vermenschlichen

Als ich letztens mein Pferd in der Stallgasse putzte, kam eine Stallkollegin vorbei und sagte: „Dein Pferd guckt ja nicht gerade intelligent.“
Ich stutzte kurz, sah mein Pferd an und überlegte, wie wohl ein intelligent guckendes Pferd aussehen würde.
Ich fragte sie, was genau sie meinte, sie machte Präries Gesichtsausdruck und ihre Körperhaltung nach: hängender Kopf, hängende Unterlippe, Augen und Ohren auf Halbmast, ein Hinterbein hochgestellt.
Dann sagte sie noch: „Positiv ausgedrückt könnte man auch sagen, sie ist tiefenentspannt.“

Hm… positiv ausgedrückt?
Wie kann man Entspannung denn negativ sehen?
Meine Stute steht entspannt am Putzplatz und genießt mit jeder Faser ihres Körpers die Striche mit der Bürste und die Streicheleinheiten, bevor wir gleich zur gemeinsamen Arbeit aufbrechen werden.
Was gibt es denn Schöneres?

Sollte man nicht eher darauf aufmerksam werden, wenn es nicht so ist?
Wenn das Pferd ständig irgendetwas in weiter Ferne fokussiert, sich umschaut, vor- und zurücktritt, die Ohren in alle Richtungen spitzt und überhaupt nicht bei der Sache ist? …das Putzen lediglich erduldet?

Meine Stallkollegin hat es bestimmt nicht böse gemeint, vielleicht einfach nicht weiter darüber nachgedacht. Aber oft sind es diese kleinen Stolpersteine in unseren Köpfen, die uns den Blick für das eigentlich Wichtige verbauen.

Wie sieht der Putzplatz deines Pferdes aus, nachdem du es von Staub und Schmutz befreit hast?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.