Pferdepsychologie Linda Schüller

Eine Ode an das Tagebuch

„Ein jeder Wunsch,

wenn er erfüllt,

kriegt augenblicklich Junge“

Wilhelm Busch

 

Kennst du das? Du arbeitest seit Monaten mit deinem Pferd an irgend etwas, aber du hast das Gefühl, es funktioniert einfach nichts. Die Dressurlektion klappt einfach nicht, das Pferd galoppiert immer noch nicht von der Wiese zu dir und ist überhaupt immer mit seinen Gedanken woanders. Alle anderen haben eine viel harmonischere Beziehung zu ihrem Pferd, nur du nicht.

… Aber erinnerst du dich noch, wie du angefangen hast? Wie war dein erster Tag mit deinem Pferd? Das erste Mal Satteln? Der erste Ausritt? Das erste Mal „auf der Wiese einfangen“?

Schreibe es auf!

Schreibe auf, was geht und was nicht geht, was dir gefällt und was dir nicht gefällt.
Formuliere so genau wie möglich!

Kannst du mit deinem Pferd überall hingehen? Kannst du überall hinreiten? Gibt es Probleme, wenn auf dem Hof etwas anders ist als sonst? Muss dein Pferd beim Ausritt immer vorne/hinten/rechts oder links von einem anderem Pferd gehen, damit es ruhig bleibt?
Was ist anders, wenn du zu einer anderen als der gewohnten Zeit zum Stall kommst? Was ist, wenn du eure gewohnte Runde anders herum reitest?
Mag es überall angefasst werden? Äppelt es oft, wenn ihr etwas zusammen unternehmt?

Vielleicht denkst du, ja, ganz nett, ich mache mit ein paar Gedanken, und kann ja dann später im Kopf vergleichen.

Aber das ist schwer.
Es ist schwer, sich an vergangene Gefühlszustände zu erinnern.

Weißt du noch, wie es ist, nicht schwimmen zu können? Klar, irgendwann konntest du es nicht. Aber wie fühlte es sich an, es nicht zu können? Wie war dein Gefühl, als du ins Wasser gestiegen bist, als das Wasser immer tiefer wurde, oder als du durch das Plantschen der Anderen einen Schwapp Wasser ins Gesicht bekommen hast?

Wie war es, als du nicht Auto fahren konntest? Wie fühlte es sich an? Weißt du noch, wie du es gelernt hast? Warum brauchtest du 25 Fahrstunden? Es ist doch ganz leicht, jetzt kuppelst und lenkst du automatisch, während du noch laut zu deinem Lieblingssong mitsingst!

Wenn man etwas einmal kann, einen Zusammenhang verstanden oder eine Bewegung erlernt hat, ist es schwer, sich vorzustellen, wie es vorher war, und warum man es nicht von Anfang an konnte. Es ist ja nicht schwer, jetzt kann ich es ja!

Genauso ist es mit dem Pferd.

Vertrauen ist nichts, was von jetzt auf gleich entsteht. Selbst wenn dein Pferd spürt, dass du deine Einstellung geändert hast, wird es eine Zeit lang brauchen, bis es dir auch glaubt, dass du es ernst meinst. Es ist ein langer Prozess, bei dem man vielleicht von Zeit zu Zeit das Ziel aus den Augen verliert, weil man das Gefühl hat, nicht weiter zu kommen.

Vergleiche von Zeit zu Zeit deine Fortschritte mit deinem ersten Eintrag.

Ist es nicht gigantisch?

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