Pferdepsychologie Linda Schüller

Die Intensität von Stress

Die Intensität von Stress

Vor ein paar Wochen habe ich eine Bekannte gebeten, Videoaufnahmen von mir für mein online Coaching Programm zu machen. Ich wollte auf dem Video zeigen, wie man sich und sein Pferd auf der Wiese schützt, wenn man von der Herde oder einzelnen Pferden bedrängt wird, ohne jedoch dabei die ganze Herde in Aufruhr zu versetzen.

Ich ging also zu meiner Stute in die Herde und sie kam die letzten Schritte bis zu mir. Wie das aber immer so ist, natürlich hat das die anderen Pferde an diesem Tag überhaupt nicht interessiert und wir wurden auch nicht ansatzweise bedrängt, es wollte auch kein Pferd mit uns durch das Tor gehen oder ähnliches. Für das Video habe ich daher meine Vorgehensweise „trocken“ gezeigt und unter anderem bestimmte Bewegungen mit dem Stick gemacht.

Da aber ja nun gar kein Pferd da war, das ich mit der Bewegung hätte auf Abstand halten können, hat mein Pferd auch nicht verstanden, was ich da machte und was ich nun von ihr wollte. Da ich große Bewegungen mit dem Stick machte, dachte sie wohl, dass ich mehr Energie von ihr sehen wollte, dass sie schneller gehen oder näher kommen sollte. Das war aber kaum möglich, da ich rückwärts vor ihr ging und sie bereits – wie immer – sehr nah bei mir war.

Sie geriet also sofort in einen Konflikt, was sollte sie tun, um meiner Aufforderung nachzukommen? Sie kam etwas schneller und etwas näher als sonst, nahm gleichzeitig ihren Kopf nach oben, um der Situation zu entkommen. Während sie ihren Kopf nach oben nahm, spannte sie ihren Unterhals an und die Entspannung war dahin.

Ich habe die Vorführung natürlich sofort abgebrochen und sie konnte glücklicherweise auch sofort wieder durchatmen und entspannen, der Kopf senkte sich wieder und die Ohren schlackerten beim Gehen locker vor sich hin.

Ein anderes Beispiel:
Eine Kundin von mir hat ein sehr fein ausgebildetes Pferd und kommuniziert mit diesem über das innere Bild und das Zeigen des Sticks.
Wenn die Kundin zum Beispiel bei einer neuen Übung den Stick versehentlich 10cm weiter oben hält als üblich, ist dieses Pferd bereits gestresst. Es nimmt den Kopf hoch, der Hals verspannt sich und die feine Kommunikation beginnt zu leiden.

Bei diesen beiden Pferden kann ich einzelne Stressauslöser genau benennen, weil sie sonst entspannt sind.

Es gibt aber Pferde, die dauerhaft unter Spannung stehen weil z.B. die Haltung oder Herdenstruktur Stress begünstigt oder das Pferd in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit dem Menschen gemacht hat.
Die Besitzer solcher Pferde halten diese Spannung dann häufig für normal, weil es eben leider der überwiegende Zustand dieses Pferdes ist. Für diese Menschen ist es dann besonders schwierig, zu erkennen, was dem Pferd im Umgang nun noch zusätzlich Stress macht und was nicht.

Nicht selten wird das Stressverhalten des Pferdes dann auch mit „Feuer“ oder Ausdruck des Pferdes umschrieben. Viele dieser „feurigen“ Pferde sind aber vor allem eines: Massiv gestresst.

Beobachte Kopf- und Halshaltung, wenn du mit deinem Pferd beschäftigt bist.
Senkt es beim Putzen vertrauensvoll den Kopf oder fokussiert es irgendetwas in weiter Ferne und erduldet das Putzen lediglich?
Wie ist es beim Führen des Pferdes? Befinden sich die Augen deines Pferdes oberhalb oder unterhalb deiner Augen? Kann es dir vertrauen, dass du alle Gefahren im Vorfeld erkennst oder muss es selbst mit aufpassen?
Passt es sich deinem Tempo an oder musst du ständig irgendetwas korrigieren?

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